Schlüsselunterscheidungen in der Gewaltfreien Kommunikation

Schlüsselunterscheidungen in der Gewaltfreien Kommunikation

Die Schlüsselunterscheidungen geben eine Orientierungshilfe und unterstützen uns, Klarheit und Bewusstheit im Umgang mit der GFK zu bekommen. Dabei ist nicht gemeint, dass die Unterscheidungen sich auf „richtig – falsch“ beziehen, sondern eher wie zwei Pole zu sehen sind, die uns eine Orientierung geben können, wo wir uns gerade befinden und ob unsere Position in dem Bestreben, eine Verbindung zu uns selbst oder unseren Mitmenschen aufzubauen, hinderlich oder förderlich ist. Wir unterscheiden zwischen den Polen „eine Giraffe sein“ (intrinsisch motiviert, Haltung, Intention ist Verbindung/Kontakt) und „mich wie eine Giraffe verhalten“ (extrinsisch motiviert, Verhalten, Intention ist etwas Bestimmtes zu erreichen). In diesem Spannungsfeld können wir uns in jeder Situation selbst überprüfen und entscheiden, wo wir stehen oder stehen möchten.

 

Haltung aus dem Geist der GFK Gewöhnliche Sicht / Haltung
Gewaltfreiheit als Haltung Gewaltfreiheit als Verhalten
Empathie Sympathie
voneinander abhängig/interdependent unabhängig, abhängig
Macht mit jemand Macht über jemand
Wertschätzung, Würdigung Lob, Anerkennung
Verletzlichkeit Schwäche
Wahlfreiheit Rebellion bzw. Unterwerfung
Wahrnehmung Bewertung
Respekt vor Autorität Angst vor Autorität
Gefühl Interpretation, Analyse, Diagnose
Bedürfnis Bitte, Strategie
Bitte Forderung
Selbstdisziplin Gehorsam
Auslöser Ursache
Werturteil moralisches Urteil
schützender Einsatz von Macht bestrafender Einsatz von Macht
natürlich normal
mit dem Leben verbunden vom Leben abgeschnitten
einfühlend spüren intellektuell beraten
Konsens Kompromiss
beharrlich fordernd
Aufrichtigkeit als Giraffe Aufrichtigkeit als Wolf
Liebe als Bedürfnis Liebe als Gefühl
Mitgefühl für sich selbst Selbstmitleid
umgangssprachlich Giraffe klassisch Giraffe
vermuten wissen
verstehen einverstanden sein
fragen, wie es jemandem geht vermuten, wie es jemandem geht
schreien als Giraffe schreien als Wolf
„Nein“-sagen als Giraffe „Nein“-sagen als Wolf

Erläuterungen zu den Schlüsselunterscheidungen zum Themenbereich „Macht“

Macht mit Menschen:

  • Die Bedürfnisse von allen Beteiligten haben Gewicht.
  • Es wird gemeinsam entschieden.
  • Partnerschaftliches Miteinander
  • Bedürfnis nach Kooperation und Freiwilligkeit.
  • Bereich der Autonomie und der Selbstverantwortung bei Mitarbeitern ist groß.
  • Vertrauen, dass meine Bedürfnisse berücksichtigt werden (Welt der Fülle).
Macht über Menschen:

  • Die Bedürfnisse der Mächtigen zählen.
  • Einseitige und exklusive Bedürfnisbefriedigung
  • Hierarchie
  • Ungleichgewicht im Geben und Nehmen (kann Schuld oder Scham auslösen).
  • Bereich der Autonomie bei Mitarbeitern gering, wenig Selbstverantwortung.
  • Angst, dass meine Bedürfnisse nicht erfüllt werden (Mangeldenken).
Schützender Einsatz von Macht:

  • Aufmerksamkeit liegt bei den Bedürfnissen/Werten.
    Intention ist, die Bedürfnisse aller möglichst zu befriedigen.
  • Wertschätzung für den anderen
  • Notfallsituation: Schutz meiner Bedürfnisse, der andere ist sich dessen nicht bewusst
  • Bereitschaft zum anschließenden Klärungsgespräch.
  • Angemessen in der Wahl der Mittel.
Bestrafender Einsatz von Macht:

  • Aufmerksamkeit liegt auf moralischen Urteilen und Vorstellungen von richtig/falsch.
  • Intention ist, bestimmtes Verhalten zu begünstigen.
  • Richtet sich gegen jemand/etwas.
    Wertet den anderen ab.
  • Wesentlicher Bestandteil des Rechtssystems, Vorstellung von Recht, Rache, Vergeltung
  • Keine Bereitschaft zum Klärungsgespräch
  • Kann unangemessen sein.

Quelle: ORCA-Institut für Konfliktmanagement und Training – www.orca-institut.de